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Die lebhafte Geschichte eines historischen landwirtschaftlichen Anwesens in Münster auf dem Maifeld

Vom Repräsentativen Bürgerhaus anno 1830 zum Gasthaus 2010

Um 1830 erbaute Baron Ferdinand Josef von Papen in der Oberthorstraße ein repräsentatives Bürgerhaus unter dem Einfluss des Klassizismus. Der Heimatchronist Büchel schrieb über den Zuzug der Familie von Papen nach Münstermaifeld in seinem 11. Buch auf Seite 95 folgende Zeilen:

„Auch unser Flecken hat dies 1833ste Jahr einen Zustoß von Adel als Einwohner erhalten in dem Namen des Baron Freiherr von Papen, welcher sich mit des Kaaner Ackermanns Jakob Weckbecker seiner Tochter Gertrude Weckbecker verehelicht hat.“

Im Jahr 1865 erbte Carl Ferdinand von Papen das Haus. Dies wurde in der Mutterrolle der Stadt Münstermaifeld mit folgendem Text dokumentiert:
„Flur 10 Nr. 703/159 der Grundstücke in der Stadt am Oberthor: Wohnhaus mit Waschküche nebst Hofraum von sieben Ruthen achtzig Fuß, trennen die Gemeinde mit Johann Hecken, und daselbst Garten von vierundfünfzig Ruthen trennen dieselben.“

Dieser Hausbesitzer war leider nicht vom Glück verfolgt und musste angeblich nach einer glücklosen Spielnacht das Haus an der Oberthorstraße an seine, zur Trennung entschlossene, Frau Pauline im Jahr 1875 abtreten. Im Jahr 1877 kaufte der Schiefergrubenbesitzer Valentin Sonntag aus Münstermaifeld das Anwesen für 11 970 Mark von Pauline Reinhard. Dieser musste das Haus unter dem damaligen Druck einer Weltwirtschaftskrise schon nach einem Jahr mit einer zweiten Hypothek belasten, die zugunsten des Maklers Abraham Schmitz ausgestellt war. Abraham Schmitz erwarb dadurch die Rechte am gesamten Anwesen. Noch im selben Jahr verstarb dieser und somit wurde seine Witwe übergangsweise, zur Hauseigentümerin. Im Jahr 1878 erwarben die Eheleute Elisabeth Linden und Anton Marx aus Münstermaifeld das „Papen´sche Haus“ Dies wird bei der Anlegung des Münstermaifelder Grundbuchs am 13.2.1891 mit folgendem Text bezeugt:

„....dass wir das Grundstück, Flur 10, Nr. 703/159, während unserer Ehe angekauft haben von der Witwe Abraham Schmitz im Jahr 1878“

Im Papen´schen Wohnhaus wurde im Erdgeschoß eine Schankwirtschaft eingerichtet. Der Ackerer Anton Marx hatte in der Gastwirtschaft seines Vaters praktische Erfahrungen gesammelt und wurde in einem Brief des damaligen Bürgermeisters als „durchaus nüchterne Persönlichkeit“ beschrieben. Als letzte Schankwirtschaft am Ausgang der Stadt konnte das Wirtshaus mit häufigem Besuch der Bauern aus den umliegenden Dörfern rechnen. Die damaligen „Parkmöglichkeiten“ werden noch heute durch die Halfterringe am Haus dokumentiert. Hier wurden die Ackergäule festgemacht.

Als im Jahr 1897 die Ehefrau Elisabeth Linden verstarb bemühte sich ihr Sohn Peter Heidger (aus erster Ehe) kurz darauf um die Übertragung der Wirtschaftskonzession seines Stiefvaters. Ein Brief des Bürgermeisters Klöppel an den Mayener Landrat im Jahr 1902 lässt vermuten, dass Peter Heidger ihm nicht gut gesonnen war.
„In Münstermaifeld bestehen 15 Wirthschaften, 4 Branntweinkleinhandlungen und 6 Flaschenbierhandlungen. In der Oberthorstraße bestehen allein außer der Wirthschaft des Anton Marx noch 7 andere Wirhtschaften und besteht hier ein Bedürfnis zum Weiterbetrieb dieser Wirthschaft nicht. Wenn auch gegen Herrn Heidger Thatsachen nicht vorliegen, welche Annahmen rechtfertigen, dass derselbe das Gewerbe zur Förderung der Völlerei, des verbotenen Spieles, der Hehlerei oder der Unsittlichkeit missbrauchen wird, so kann ich das Gesuch desselben auf Übertragung der Wirthschaft nicht befürworten“.

Peter Heidger wird, in einem Erbschaftsvertrag mit seinem Stiefvater Anton Marx, zum Eigentümer erklärt. Aus diesen Eintragungen im Grundbuch geht hervor, dass Peter Heidger doch eine Genehmigung zum Betreiben der Schankwirtschaft erhalten hat, er wird hier als „Ackerer und Wirth“ bezeichnet. Nach dem Tod des Peter Heidger im Jahr 1923 wird dessen Sohn, Peter Heidger jun., zum rechtmäßigen Eigentümer. An ihn erinnern sich noch viele Münstermaifelder Bürger gut, er starb im Alter von 80 Jahren am 10. Oktober 1980. Die Eheleute Waltraud und Heinz Hansen erwerben im Jahr 1985 das Anwesen von den Erben des Peter Heidger. Mit dem handwerklichen Geschick von Heinz Hansen wird das Wohnhaus nach und nach saniert und zeitgemäß ausgestattet. Aus der ehemaligen Scheune wird ein liebevoll eingerichtetes Marionettentheater, welches im Jahr 1993 eröffnet. Der alte Bruchsteinkeller wird ebenfalls „wiederentdeckt“ und zu einem Verkaufsraum für Theaterzubehör und liebevolles Kinderspielzeug ausgebaut. Das „Marionettentheater Hansen“ war die einzig feste Puppenbühne von ganz Rheinland-Pfalz und wurde durch zahlreiche Berichte im Südwest-Fernsehen überregional bekannt. Über 250 Holzfiguren schnitzte Heinz Hansen aus Lindenholz und seine Frau Waltraud nähte die jeweiligen Kleidungsstücke. Im Jahr 2005 verkauft Familie Hansen aus Altersgründen das Anwesen.

Im Sommer 2009 begann mit Löffel´s Landhaus einen neue Zeitrechnung für das mittlerweile fast 180-jährige Anwesen.

Der Küchenmeister Günter Löffel erfüllte sich seinen Traum von einer hochwertigen und dennoch, der ländlichen Region verbundenen Gastronomie. Moderne Deutsche Küche nennt er den Küchenstil bei dem die Maifelder Kartoffel im Mittelpunkt steht. Besonders das Ambiente des ehemaligen Marionettentheaters sowie des Gewölbekellers bieten einen einmaligen Flair. Im Sommer ist die bewirtschaftete Gartenterrasse unmittelbar an der alten Stadtmauer inmitten eines herrlichen Gartens ein echtes Kleinod.

Quelle u.a.:
Münstermaifelder Hausbriefe Nr. 15 Frau Gertrud Hoffmann, Herausgeber: Verein zur Förderung der Stiftung Kulturbesitz, Münstermaifeld